Impressionen

Märchenoperaufführung als Abschluss des "Zauberflötentages"

Ulrich Rudolf - Die gesamte Zauberflöte von Schülern, die 10-12 Jahre alt sind, auf einer Schulbühne präsentieren... Kann das funktionieren? Kann das - im wöchentlichen Musikunterricht erarbeitet - wirklich qualitativ hochwertig umgesetzt werden? Ziehen Schüler bei Mozarts berühmtester Oper in der 5. und 6. Klasse mit? JA, JA und nochmals JA!

Als Jahresprojekt angelegt hatte jeder der gut 50 Schülerinnen und Schüler eine kleine Rolle zu übernehmen, die in der Vorbereitung selbst erarbeitet und ausgesucht worden war. Eine Stunde des wöchentlichen Musikunterrichtes war als „Zauberflötentag“ tituliert - hier wurden Arien eingeübt, in Kleingruppen Texte schauspielerisch umgesetzt, Soli für die besonders Mutigen verteilt und geprobt. Am Ende kam dabei eine grandiose Aufführung heraus.

Die 5. Klasse begann mit dem ersten Akt. Schon die Eingangsarie, in der der Prinz Tamino von einer giftigen Drachenschlange bedrängt wird, wurde eindrucksvoll von dem durch andere Projekte in Coburg bereits nicht unbekannten Lucas van Rendsburg solistisch vorgetragen. Die 3 Damen, die ihm zur Hilfe kommen, dargestellt von der gesamten 5. Klasse, choreographierten synchron und überzeugend. Nach diesem Einstieg ging es Schlag auf Schlag weiter - Elisabeth Umlauff als charmanter Vogelfänger Papageno, 3 sehr wütende Damen, 3 Erzähler, die aus Comic, Zeitung und Buch „vorlasen“, Solisten im Wechsel mit Sprechern, Lucie Pfefferlein als unschuldig verliebter Tamino, der das Bildnis Paminas besingt... Konzentriert und koordiniert agierten dabei die Kinder. Eines der vielen Highlights war sicherlich das solistisch besetzte Duett „Drei Knäbchen“, in dem Aurora Scotti und Mathis Menzel zweistimmig sangen. Kaum zu bändigender Applaus war der Lohn für diese Darbietungen am Ende des 1. Aktes.

Nach einer Pause präsentierte sich die 6. Klasse mit dem 2. Akt. Auch hier konnten verschiedene Solisten überzeugen und schauspielerische Talente sich spannend und witzig darstellen (Tom Rohrbeck als Göttin der Nacht war ein wunderbarer Gegenpol zu dem oft so ernsten Opernimage). Die weltbekannte Rachearie wurde sowohl vom Chor als auch 3 Solistinnen (Ana Gerboth, Leonie Amme, Lea Reichel) gesungen, welche mit ihren gut geprobten Koloraturen durchaus überraschten. Auch diese Schüler zeigten ihre große Freude an der Präsentation und wussten stets genau, wer wann was zu tun hat. Drama und Witz, laute und leise Töne, ein kräftiger fulminanter Schlusschor und ein grandioser Schlussapplaus mit Bravorufen vervollständigten den 2. Akt.

Katja Heußel stemmte diese gesamte Aufführung mit einer bewundernswerten Souveränität. Sie behielt gut 100 Minuten lang die Fäden in der Hand, begleitete die gesamte Oper auf dem Klavier, gab Regieanweisungen, soufflierte und achtete darauf, dass jedes Kind zur richtigen Zeit die richtige Requisite in der Hand und die richtige Position auf der Bühne hatte. Dank Michael Große, der für die Lichtstimmung sorgte, wurde diese Präsentation zu einem einmaligen Erlebnis.

Die Waldorfschule Coburg zeigte, dass sie einen wohlverdienten Platz in der Kulturlandschaft einfordert und einnimmt.

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