Impressionen

Mit Geduld und viel Stoff

Die Schüler der 8. Klasse sind seit Wochen mit ihrem Klassenspiel beschäftigt. Nicht nur, dass Sie für die anstehenden Aufführungen des Theaterstücks „Der Revisor“ nach Gogol das Schauspiel proben, die Klasse ist auch damit beschäftigt, Bühnenbild, Requisiten, Kostüme, Plakate, schlicht alles was man für eine Theateraufführung braucht, selbst herzustellen.

Dafür teilten sich die Schüler in drei Gruppen. Im Handwerksunterricht sind sie Szene für Szene des Stückes durchgegangen um zu besprechen, was an Requisiten und Bühnenbildern benötigt wird. Es wurde gesägt, geschliffen, gedrechselt. Dabei sind diverse Möbel in Biedermeierart entstanden und eine Vorbühne mit Treppenaufgang. Manche Elemente sind so gebaut, dass sie für unterschiedliche Szenen benutzt werden, das Bücherregal ist auf der anderen Seite ein Fenster und das Bett kann die Funktion eines Sofas übernehmen. „Da wir nicht so viel Platz auf und vor allem hinter der Bühne haben, mussten wir überlegen und kombinieren“ sagt Erik, ein Schüler aus dem Bühnenbildteam. 

Im Kunstunterricht haben sich die Schüler vorweg kleine Modelle gebaut. Wie sah in der Biedermeierzeit das Mobiliar aus, wie haben damals die Menschen gelebt und wie können sie es umsetzen. Dabei sind liebevolle kleine Modelle in Schuhkartons entstanden. Der große Prospekt liegt im Festsaal grundiert bereit, um das Hauptszenenbild des Salons zu werden. Der Schüler Emil wollte eigentlich lieber in der Handwerkergruppe sein, nun ist er jedoch ganz zufrieden damit, die bereits hergestellten Bühnenrequisiten anzumalen und somit lebendiger werden zu lassen. „Wo soll der Schlagstock hin, Frau Schmiedebach?“ „Zu den Gewehren hinter die Tafel“ sagt die Lehrerin und lacht, es wurde mit den Holzgegenständen zu unruhig, so werden sie vorerst hinter der Tafel versteckt. „Hoffentlich vergessen wir sie dort nicht“, scherzt die Lehrerin.

Die Schneiderei leitet die Kostümbildnerin Nuschin Rabet. Sie hat sich viel vorgenommen, sich und den Schülern hohe Ziele gesetzt, gebraucht wird dabei Geduld und viel Stoff. „Eure Arbeit wird man auf der Bühne sehen, es wird schön.“ motiviert sie ihre Schützlinge.

Zur Inspiration schaute das Kostümbildnerteam am Anfang seiner Arbeit einen Film, welcher in der gleichen Zeit wie das Theaterstück spielt. An der Tafel hängen Bildinspirationen, auf den Tischen eine Art Modekatalog aus dieser Epoche. An Garderobenständern hängen schon zahlreiche Kostüme. Es entstehen für dieses Stück allein fünf Biedermeierkleider! „Es gibt noch viel zu tun“ gesteht Frau Rabet, aber sie ist mit der Arbeit der Schüler zufrieden.

„Wir haben kein Zeitgefühl mehr“ erzählt eine Schülerin, es wird zum Teil auch in den Pausen und nachmittags gearbeitet. Mathis näht das erste Mal in diesem Umfang - Schulterblätter an die Polizeikostüme, Krawatten, Anstecktücher sowie Hosenstreifen müssen per Hand angenäht werden. Felix näht in der Zwischenzeit, ebenfalls per Hand, eine Bauchattrappe, er hat sie vorher etwas kleiner geformt, „es wird der Bauch von Constantin“ lächelt der Schüler „für die Rolle des Anton Antonowitsch“. An der Nähmaschine hat er schon Hosen gekürzt, es hat ihm Spaß gemacht.

Filomena hat bereits früher einiges zu Hause an ihrer eigenen Nähmaschine an Erfahrung beim Nähen gesammelt, so gehört sie zu den erfahrenen Schülern. Sie hat einen Biedermeierrock genäht, nun ist sie dabei, die 12 Meter lange Spitze abzumessen die noch angenäht wird. „Ich finde es gut, dass wir so viele Kostüme selber machen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so einen Rock nähen könnte, ich bin zufrieden mit meiner Arbeit.“ .

Es ist kein normaler Schulalltag in den letzten Wochen vor der Theateraufführung für die 8. Klasse der Waldorfschule. „Es ist schön zu sehen, wie die anderen auf der Bühne spielen. Man lernt sich und die anderen neu kennen“, erzählt Dennis. „Ich hätte es mir nicht zugetraut, auf der Bühne so laut zu sprechen, da ich eher zurückhaltend bin, aber so schlimm ist es gar nicht.“ Es ist für den Schüler eine schöne Erfahrung, sich etwas Neues zuzutrauen.

Der Lehrer und Regisseur Ulrich Dallmann hat Spaß mit den Schülern, immerhin handelt es sich um eine Komödie und „Die sind unglaublich gut miteinander. Es ist eine sehr motivierte Klasse, die wollen.“

„Der Revisor“ nach Gogol, 5. und 6. April, jeweils um 20.00 Uhr im Festsaal der Rudolf-Steiner-Schule Coburg, Eintritt frei

In einem kleinen russischen Städtchen wird die Nachricht verbreitet, ein Revisor (ein staatlicher Kontrolleur) sei inkognito auf dem Weg in die Stadt. Alle Beamten der Stadt, allen voran der Bürgermeister als Oberhaupt, fürchten sich vor diesem Besuch. Schließlich hat jeder von ihnen Dreck am Stecken: staatliche Gelder wurden veruntreut, Bestechungsgelder sind geflossen, den Ärmsten der Stadt ist man mit Willkür begegnet. Also ist guter Rat teuer...

Aktuelle Termine

23. April 2018
Elternabend 7. Klasse
19:30 Uhr
Klassenzimmer