Impressionen

Wer einen Zeugen hört, der wird selbst zum Zeugen

Um dem Generationengespräch mit dem Sohn eines KZ-Überlebenden, Yves Durnez, waren die Neuntklässler Anna Fleischhauer, Johanna von Hackewitz, Jonathan Lüer, Birk Menzel und Mees Menzner am 10.07. im Haus contact in Coburg zugegen, um die Geschichte über Durnez' Vater zu hören.

Anbei die Artikel, die in diesem Zusammenhang entstanden sind:

 

Wer einen Zeugen hört, der wird selbst zum Zeugen

„Nicht der Hass hat gesiegt, sondern die Liebe.“ (Marcel Durnez)

Am 10.07.2014 fand im Haus contact in Coburg von 11:30 bis 14 Uhr ein „Generationsgespräch“ mit Herrn Yves Durnez statt. Yves Durnez erzählte dort  über das Leben seines Vaters Marcel Durnez im KZ.

Von Johanna von Hackewitz

Marcel Durnez stammt aus Geluwe, einem Dorf in Belgien. Dort hat er mir seinen Eltern und seinen acht Geschwistern in einem kleinen Haus gewohnt.

Seine Geschichte beginnt am 10. Mai 1940, als die deutschen Truppen Geluwe besetzten, den Besitz der Dorfbewohner an sich nahmen und die jungen Männer zwangen, mit nach Deutschland zu kommen. Damit Marcel und seine zwei Brüder Daniël und Gilbert nicht zum Arbeiten nach Deutschland mussten, flüchteten sie nach Frankreich. In Amallis bei Paris hatten sie dann bei Bauern gearbeitet, bis einer der Bauern sie an die Deutschen verriet. Sie wurden in ein Sammellager und dann unter schrecklichen Bedingungen in einem Viehwagon in das KZ Auschwitz gebracht. Damals war Marcel 16 Jahre alt. Nachdem sie einige Tage dort waren, wurden sie nach Buchenwald und dann nach Flossenburg gebracht – mit der Begründung, dass sie nicht das Recht hätten, dort zu sein, weil sie keine Juden sein.

Yves Durnez berichtet über die schlechten Lebensbedingungen im KZ, über das wenige Essen, die harte Arbeit, die Brutalität der Offiziere gegenüber den Häftlingen und darüber, wie viele Menschen an Krankheiten und Verletzungen gestorben sind oder schon vorher aufgrund ihrer Schwäche erschossen wurden. Er erzählt, wie sie Marcel gezwungen haben einen Brief nach Hause zu schreiben, in dem er seiner Mutter erzählt wie „gut“ es ihm und seinen Brüdern geht und wie wenige Wochen vor Ende des Krieges Marcels Brüder Daniël an und Gilbert gestorben sind. Yves Durnez schildert wie Marcel bei einem der sogenannten Todesmärsche von den Amerikanern befreit wurde und wie er am 18. Mai, voller Schuldgefühle, dass er nicht auf seine Brüder aufgepasst hat, allein nach Hause kommt.

Letztendlich erzählt Yves Durnez, dass Marcel heute den jungen deutschen Menschen, die nichts mit dem Krieg zutun hatten, viel Liebe entgegenbringen kann und dass er immer wieder nach Deutschland kommt. So wie Marcel selbst gesagt hat, dass nicht der Hass, sondern die Liebe gesiegt habe.

Marcel Durnez und seinem Sohn Yves Durnez geht es darum, die Erinnerungen der Überlebenden des Naziterrors nie in Vergessenheit geraten zu lassen, weshalb Yves Durnez Vorträge über die Geschichte seines Vaters auch speziell für Jugendliche gedacht sind.

Es war beeindruckend zu erleben, wie so viele Jugendliche in einem Raum aufmerksam zuhörten. Kein Getuschel, keine unnötigen Kommentare und niemand, der mit seinem Handy „gedillert“ hat.

Es ist etwas Besonderes, einem „Zeitzeugen“ zuhören zu können, da all die Menschen, die diese Dinge erlebt haben, schon sehr alt oder bereits gestorben sind. In wenigen Jahren wird es keine Zeitzeugen des Naziterrors mehr geben. Wahrscheinlich werden wir nie wieder die Gelegenheit bekommen, so eine Geschichte aus erster Hand zu hören.

Außerdem wird einem klar, in welch einer sicheren Welt wir heute leben, verglichen mit der Zeit des deutschen Nationalsozialismus.

Ein herzliches Dankeschön an Herrn Yves und Marcel Durnez, die es vielen Jugendlichen ermöglicht haben, so einem einmaligen Bericht zu lauschen.