Impressionen

Mathematik als praktisches Fach - 5. Klasse baut einen Hühnerstall

Bau eines Hühnerhauses als gemeinsames Projekt der 5. Klasse und dem Gärtnerhof Callenberg 

Katrin Gerboth - Auf dem Gärtnerhof gibt es seit einer Flächenerweiterung im letzten Herbst genug Platz für mehr Hühner. Die ersten Eier waren bereits ausgebrütet und die Küken brauchten ein gemütliches Heim. So entstand die Idee für das Projekt, ein Hühnerhaus mit den Schülern der 5. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule zu bauen.

Unterstützung fanden die Mitwirkenden bei der 11-Klass-Schülerin Anna Fleischhauer, sie hat für ihre Jahresarbeit das Thema „Massentierhaltung und deren Alternativen“ gewählt. Anna übernahm die Vorbereitungsarbeiten für den Bau. Eine artgerechte Hühnerhaltung ist nach Bio- bzw. in dem Fall Demeter-Richtlinien streng geregelt und so wurde die Größe des Hauses, der Platz für Freilauf, für Sitzstangen und Brutplätze für 50 Hühner im Vorfeld von ihr geplant.

Damit die Schüler und ihre Klassenlehrerin in der Mathematikepoche die Materialmengen berechnen konnten, baute Dietrich Pax vom Gärtnerhof ein Modell des Hühnerhauses. So bekamen sie eine Vorstellung vom Objekt und konnten ihre Kenntnisse über Längen- und Flächenberechnungen nutzen bzw. erweitern sowie die Anzahl der Latten, Balken und Platten ausrechnen. Dietrich Pax erhielt die Materialliste und der Bau konnte in der darauffolgenden Woche beginnen.

„Wie viele Hühner können zusammenleben? Sollen alle Sitzstangen im Stall gleich hoch sein, oder sollen sie ansteigend angeordnet sein, damit die ranghohen Tiere oben sitzen können? Sind alle gesetzlichen Vorschriften für Biohühner eingehalten? Wie fair gehen wir mit Nutztieren um? Was können wir tun, damit die Hühner artgerecht und zufrieden gehalten werden?“ Diese Fragen beschäftigten die Beteiligten.

Die Schüler und Schülerinnen haben abwechselnd in kleineren Gruppen zusammen mit Herrn Pax, Anna Fleischhauer und Katrin Gerboth (Mitarbeiterin beim Gärtnerhof) gearbeitet. Die Grundkonstruktion aus Balken wurde gebaut. Dazu mussten die Längen gemessen und mit der Handsäge abgesägt werden, wobei nicht nur die genauen Maße, sondern auch die Rechtwinkligkeit der gesägten Kanten wichtig waren. Weitere Balken wurden auf den Grundrahmen gesetzt und mit Winkeln befestigt. „Wie säge ich ohne zu viel Verschnitt, ist eine Aufgabe“, sagt Herr Pax.  Es entstand eine Zwischenetage, die später als Boden des Hauses dienen soll. Danach folgte der Aufbau der Wände, Rahmen bauen, Leisten einsetzen, innen OSB-Platten festschrauben, dann Dämmung einpassen und außen mit Nut- und Federbrettern verkleiden.

Während eine Gruppe baute, lösten andere Schüler in der Klasse Rechenaufgaben rund ums Hühnerhaus und die Hühnerhaltung, z.B. „Wie viel fressen Hühner pro Tag?“. 

Die Motivation der Schüler war erstaunlich, so kam es, dass nach Unterrichtsschluss fast jeden Tag noch freiwillig „Überstunden“ geleistet wurden.

Krönender Abschluss war das Setzen des Firstbalkens und das Anstoßen mit Limonade zum Richtfest. Nach einigen weiteren Arbeiten durften im Spätsommer 50 Hühner in die neue Hühnervilla einziehen.

Der Gärtnerhof Callenberg hat sich zum Ziel gesetzt, 300 Hühner der unterschiedlichsten Rassen zu halten, ohne Küken zu schreddern. So können in Zukunft mehr Eier und Hühnerfleisch von glücklichen Hühnern verkauft werden.

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