Impressionen

Schüler trennen die Spreu vom Weizen

 oder vier auf einen Schlag Teamgeist, Koordination, Sozialethik und Geschichte

In der Scheune der Rudolf-Steiner-Schule wurde diese Woche gedroschen. Im Vierviertel Takt schlugen die Schüler mit Dreschflegeln auf die Garben. Das Wintergetreide wurde vor den letzten Sommerferien geerntet. Dieses hatten die Schüler der jetzigen 4. Klasse im Jahr zuvor selbst gesät und das Aufgehen der Saat beobachtet. Sie bangten, dass die Saat den Winter überlebt. Jetzt wurde die Ernte weiter verarbeitet.

Die Schüler mussten das gelagerte Getreide mit Schubkarren aus dem Gartenhaus in die Scheune fahren und auf den Scheunenboden entleeren bevor sie mit dem Dreschen beginnen konnten. Die Drescher stellten sich an der Außenseite der ausgelegten Garben, auf und bestimmten die Schlagfolge. Jeweils vier Schüler schlugen mit den Dreschflegeln möglichst nacheinander im Takt auf die Getreidegarben, so konnte sich das trockene Korn von den Spelzen lösen. Um im Takt und in der Reihenfolge zu bleiben, auch um die Verletzungsgefahr zu mindern, wurden alte Dreschsprüche „geklopft“. „Schlappenheiner, Schlappenheiner, hau den Flegel kräftig eina“ oder „Die Fru hat Grüt kocht“.

Es wurde früher viel über das Essen gereimt, zur Motivation aber auch im Bewusstsein, dass dies zwar eine schwere, langwierige aber notwendige Arbeit ist, um genügend zu Essen zu haben. Dietrich Pax, Landbaulehrer und Geschäftsführer vom Gärtnerhof Callenberg gab den Takt an und beschleunigte zwischendurch auch das Tempo, dies verlangte von den Kindern noch mehr Konzentration, Koordination und Fleiß.

Aus dem Gemisch von Stroh, Spreu und Körnern wurde zuerst das Stroh abgetragen und von den Kindern mit Schubkarren auf den Kompost gefahren. Der Rest wurde zusammengekehrt und zum Sortieren in Behälter gefüllt. Danach trennten die Kinder in mühevoller Kleinstarbeit die Spreu vom Weizen. Mit Hilfe eines Ventilators konnten Spelz und Hülse wegfliegen und das schwere Korn im Behältnis bleiben. Es wurde ausgelesen, gereinigt und zum Schluss ausgesiebt. „Es hat etwas vom Goldschürfen" sagte Thomas, es erinnerte ihn an einen Klassenausflug beim Goldwaschen in Thüringen. 

 „Die Qualität und die Menge der Ernte war dieses Jahr durch das Wetter, die Feuchtigkeit nicht so gut. Das Getreide reicht nur für das Saatgut fürs nächste Jahr. Gut, dass wir heutzutage die Möglichkeit haben Saatgut und Mehl zu bekommen. Früher hätten wir uns überlegen müssen, ob wir hungern, oder nach Amerika auswandern" klärte Dietrich Pax die Schüler über die früheren Verhältnisse, die Abhängigkeit von einer guten Ernte und Geschichtliches auf. Durch viele Missernten, so der Lehrer und die dadurch erhöhten Lebensmittelpreise, wanderten im 19. Jhd. die Menschen in die USA aus, in der Hoffnung dort ein besseres Leben zu haben. 

"Die Schüler konnten die Erfahrung sammeln, dass man es trotz allen Bemühens nicht immer in der Hand hat, wie das Resultat wird. Das verunsichert die Kinder und es arbeitet in ihnen, sie werden angeregt selbst nachzudenken, zu hinterfragen. Gleichzeitig stellen sie fest, dass es kein Scheitern bedeutet, durch das Miteinander und Füreinander," sinniert Dietrich Pax. Die Bauern mussten sich auch gegenseitig unterstützen und helfen. Auch jetzt werden die Schüler ihre Brötchen backen dürfen und sie, nach der ganzen Arbeit, besonders genießen. 

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Waldorf- und Realschulfeier
18:00 Uhr
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27. Juli 2018
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Erster Schultag Schuljahr 2018/19
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Klassenzimmer